Medienmitteilung

Künstler/innen aus Kanton (China) aus der Sammlung Sigg

Guangzhou China-Fenster im Kunstmuseum Bern

Nach der erfolgreichen Ausstellung Mahjong, Chinesische Gegenwartskunst aus der Sammlung Sigg im vergangenen Jahr, die einen einzigartigen Überblick über die chinesische Gegenwartskunst gab, öffnet sich nun erneut ein China-Fenster im Kunstmuseum, das regelmässig weitere Werke der Sammlung Sigg zeigen wird. Die Reihe beginnt mit der Präsentation von noch nie ausserhalb Chinas gezeigten Arbeiten von Künstler/innen aus Kanton.

Guangzhou, Hauptstadt der Provinz Guangdong, liegt im Perlflussdelta und zählt zu den wichtigsten Städten Südchinas. Das an Hongkong grenzende Kanton war früh schon eine Versuchsstation der wirtschaftlichen Reform- und Öffnungspolitik und hat daher in den 90er Jahren eine frenetische urbanistische Entwicklung durchgemacht. Rem Koolhaas hat das Ballungszentrum Perlflussdelta studiert und anlässlich der Documenta 1998 der Öffentlichkeit vorgestellt. Guangzhou besitzt eine äusserst vitale Kunstszene, deren wichtigste Protagonisten in der Sammlung Sigg mit Hauptwerken und den Kanton angemessen «modernen» Medien Fotografie, Video und Installation – der Maler Duan Jianyu ist insofern eine Ausnahme – vertreten sind. Auch sind dort für ganz China bedeutende alternative Kunstproduktionsorte wie Vitamin Creative Space oder Librerìa Borges angesiedelt. Einen ersten, lebendigen Einblick in die Kunstszene Guangzhous bot 2003 die von Hou Hanru kuratierte Ausstellung Canton Express im Rahmen der Biennale Venedig.

Das Kunstleben Kantons wurde wesentlich durch die 1991 gegründete Künstlergruppe „Grossschwanzelefant“ geprägt. Ihre Mitglieder Lin Yilin, Chen Shaoxiong, Liang Juhui und Xu Tan – sie sind mit älteren und neueren Arbeiten an unserer Ausstellung beteiligt – organisierten bis 1996 jährlich eine Ausstellung an einem öffentlichen Ort (Bar, Tiefgarage, Coiffeurladen, usw.) oder auf der Strasse und verstanden sich als Zeugen der rasanten gesellschaftlichen Entwicklung der chinesischen Gesellschaft. Cao Fei zählt zu den wichtigsten Videokünstlerinnen Chinas. Zusammen mit Ou Ning hat sie den Urbanisierungsprozess anhand des ehemaligen Dorfs San Yuan Li, das nun in die Grossstadt Guangzhou integriert ist, dokumentiert und zu einem filmischen Meisterwerk in Schwarzweiss verdichtet.

Zheng Guogu verbindet in seiner Arbeit die Tradition mit der verrückten Jetztzeit. In der Ausstellung zeigt er einen begehbaren Landschaftsgarten mit Bäumen, Wegen und einem Teich, dessen «Wasser» aus sich bewegendem Papier mit zerknüllten kalligraphischen Werken besteht. Von O Zhang, die in London Kunst studiert hat, zeigen wir die neue 21-teilige Fotoinstallation Horizons: Kinder vom Lande blicken misstrauisch, unschuldig-trotzig in die Kamera – verkörpern sie die Zukunft Chinas? Die Berner Ausstellung verbindet ferner eines der berühmtesten Gemälde aus der Zeit der Kulturrevolution, Mao inspiziert das ländliche Guangdong von Chen Yanning (1972) mit Fotografien von Zeng Han, Xu Peiwu und Yan Changjiang, die Zeugnis von der absurd wuchernden Urbanität ablegen.